Bärlauch

So wohltuend und auch so wohlschmeckend ist er, dass er schon vor über 2000 Jahren als Heil- und Gemüsepflanze beliebt war.

Damals waren die Menschen noch stark in einem magischen Denken verwoben, in dem der Mensch von der Magie der Tiere und Pflanzen wusste. Bär, Wolf und Fuchs galten bei den Germanen als Seelentiere.

Die Seelentiere konnten sich, so glaubte man, auch in bestimmten Pflanzen verkörpern, durch deren Verzehr man sich diese Kraft einverleiben wollte.

Noch heute tragen viele Heilpflanzen die Namen der germanischen Seelentiere: Wolfsbeeren, Wolfsmilch, Bärwurz, Bärlapp, Bärenklau, Bärlauch.

Die Pflanzen des Bären, so wusste man, haben die Kraft der Erneuerung und Reinigung, sie brechen das Verhärtete und erwärmen den Körper.

Selbst Kaiser Karl wollte diese bärenstarke Pflanze für sein Volk nicht missen und ordnete in seiner Landgüterverordnung im 8. Jahrhundert deren Anpflanzung an.

Später übernahmen die Klöster die Pflege dieses. Uns zum Wohle wurde der Bärlauch zum Klosterflüchtling, als er sich weit über die Klostermauern hinaus ausbreitete.

Kräuterpfarrer Künzle meint:

„Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärenlauch. Ewig kränkelnde Leute, mit Flechten und Ausschlägen versehen, die Skrophulösen und die Bleichsüchtigen sollten den Bärenlauch verehren wie Gold. Die jungen Leute würden aufblühen wie ein Rosenspalier“.
Er hat mit seinen überschwänglichen Worten nicht übertrieben. Tatsächlich hilft der Bärlauch all denjenigen, die im Frühjahr noch den Winter in den Gliedern und im Gemüt stecken haben.

Der Bärlauch hat neben seiner allgemein stärkenden Wirkung drei Hauptangriffspunkte im menschlichen Körper.

1. Er hilft bei chronischen Hautausschlägen und Flechten, da er das Blut reinigt und so von innen heraus die Ursache der Krankheit beheben kann.

2. Durch seinen hohen Gehalt an Senfglykosiden wirkt er anregend auf die Verdauungssäfte. Er hat eine bakterizide Wirkung auf die Flora des Darms, ohne die nützlichen Darmbakterien, die der Körper zur Verdauung braucht, zu zerstören.

3. Der Bärlauch hilft bei Arterienverkalkung und Bluthochdruck.

Die stärkste Wirkung hat der Bärlauch im zeitigen Frühjahr vor der Blüte. Dann werden die Blätter gesammelt und frisch verwendet: zum Würzen, in Salat, Quark usw.
Nach der Samenreife zieht sich der Bärlauch wieder zurück. Seine Blätter verwelken.

Steckbrief:

Volksname:
Hexenzwiebel, Zigeunerlauch,Waldknoblauch

Familie:
Liliengewächse

Boden & Standort:
tiefgründiger feuchter Boden, Schatten, Laubwald

Sammelzeit:
Blätter – vor der Blüte im März – Mai
Zwiebeln – im Hochsommer (wenn das Kraut abgestorben ist)

Verwendete Teile:
Blätter und Zwiebeln

Inhaltsstoffe:
Schwefelhaltiges ätherisches Öl, Allicin, Flavonoide, Glykoside, Vitamin C, Biokatalysatoren

Eigenschaften:
reinigend, harntreibend, blähungswidrig, cholesterin- und
blutdrucksenkend, wurmtreibend, antiseptisch

Sammeln von Bärlauch

Zur gleichen Zeit wie der Bärlauch sind am selben Standort noch andere, für das ungeschulte Auge dem Bärlauch ähnliche Blätter zu finden.

Damit auch unerfahrene Kräutersammler nicht in Versuchung kommen, Maiglöckchen- oder Aronstab-Blätter zu sammeln, seien diese – anhand weniger Kriterien leicht unterscheidbaren Pflanzen – im folgenden kurz beschrieben.

Maiglöckchen – Die lanzettartigen Blätter sitzen zu zweit an einem Stiel, haben ein dunkleres Blattgrün und sind geruchlos.

Aronstab – Die Blätter des gefleckten Aronstabes riechen scharf, wenn sie zerdrückt werden; das Blatt ist am Stielansatz eingekerbt.